Am Volk vorbei

Zur Krise der liberalen Demokratie

  • C.H.Beck
  • Hardcover
  • 208 Seiten
  • 2. Auflage
  • 21,7 cm x 13,9 cm
  • Erscheinungsdatum: 20.02.2026
  • Artikelnummer 978-3-406-84432-4

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Jörg Baberowski erinnert an die wahre Stärke der Demokratie Alle reden von der Demokratie und ihrer Krise. Aber was meinen wir eigentlich, wenn wir von der Demokratie sprechen? Jörg Baberowski erinnert an ihre große Stärke: daß sie politische Gegner nicht zu Todfeinden werden lässt, weil auch der Unterlegene darauf hoffen darf, bei den nächsten Wahlen zu triumphieren. Eine Demokratie, die sich vor den Leidenschaften des Volkes fürchtet und den Raum des Politischen verengt, beraubt sich dieser Kraft. Wenn wir unsere Freiheit bewahren wollen, müssen wir die Souveränität über unsere Entscheidungen zurückgewinnen. Denn sonst werden die Anwälte der autoritären Ordnung leichtes Spiel haben, uns einzureden, daß die Diktatur die eigentliche Demokratie sei. Überall müssen diejenigen, die sich auf das Volk berufen, dem kritischen Blick derer standhalten, die sie vertreten wollen. Im Modell der Repräsentation ist der Populismus daher als Möglichkeit immer schon enthalten. Der laut vorgetragene Widerspruch aber ist nicht bloß eine unanständige Regung des 'Pöbels', sondern ein Hinweis darauf, dass viele Menschen sich nicht gesehen und vertreten fühlen. Der Populismus ist ein Schmerzensschrei, der nach Aufmerksamkeit verlangt. In diesem Sinn ist er auch eine Belebung der Demokratie. Wer unbequeme Meinungen nicht hören will und sie pauschal ausgrenzt, beraubt die Demokratie ihrer größten Stärke: dass sie es uns erlaubt, auch im Streit mit anderen im Einklang zu sein. Wo politische Gegner einander das Existenzrecht absprechen, verwandelt sich der Andersdenkende in einen Unmenschen. Das wäre das Ende der Demokratie. So ist dieses Buch ein Versuch, es allen und keinem Recht zu machen und den Streit der Parteien als das zu erweisen, was er ist: der eigentliche Kern der Demokratie.

Jörg Baberowski
Jörg Baberowski, geboren 1961, studierte Geschichte und Philosophie und ist seit 2002 Professor für Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu seinen Veröffentlichungen zählen: ›Der Rote Terror. Die Geschichte des Stalinismus‹ (2003), ›Der Sinn der Geschichte. Geschichtstheorien von Hegel bis Foucault‹ (2005) und ›Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt‹ (2012, im Fischer Taschenbuch 2014). ›Verbrannte Erde‹ wurde 2012 mit dem Preis des Leipziger Buchmesse ausgezeichnet und stand mehrere Wochen auf der »Spiegel«-Bestsellerliste. Zuletzt erschien von ihm ›Räume der Gewalt‹ (Fischer Taschenbuch 2018).

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