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Norwegen: Regierung will kurz vor Ende das Bargeld schützen

26. April 2021, Florian Rötzer

Bild:Pxeher.com/CC0

In Norwegen zirkulieren kaum mehr Scheine und Münzen. Fast alles wird bargeldlos bezahlt – oder muss so bezahlt werden. Gerade noch 3-4 Prozent aller Zahlungen findet mit Bargeld statt.

 

Jährlich ging seit Jahren die Verwendung von Bargeld um 6 Prozent zurück. Einen extremen Schub hat die Corona-Pandemie mit sich gebracht. Am Anfang stand neben sozialer Distanz auch die Vermeidung von Berührung im Vordergrund, um eine Ansteckung zu verhindern. Kontaktlos galt als infektionssicher. Das förderte auch das bargeldlose Zahlen. Schließlich wandern Münzen und Scheine durch viele Hände und könnten zahlreichen Mikroben als Verbreitungsmittel dienen, schließlich wird Bargeld kaum desinfiziert.

Seit März 2020, als Norwegens Regierung Lockdown-Maßnahmen einführte, nahm jedenfalls die Nutzung des Bargelds sprunghaft ab. Im April 2020 wurde es bereits um 40 Prozent weniger genutzt als ein Jahr zuvor. Von den 2, 448 Billionen in Norwegischen Kronen (245 Milliarden Euro) halten die Banken gerade einmal 0,1 Prozent oder 2,7 Milliarden NOK als Bargeld zum Auszahlen bereit.

Aber jetzt will die Regierung den Trend in dem Land stoppen, in dem weltweit am wenigsten mit Bargeld gezahlt wird. Finnland und Schweden sind auch Weltspitze, auch China und Südkorea sind schon ziemlich bargeldlos. Das Finanzministerium  will nun dafür sorgen, dass die Banken weiterhin Bargeld ausgeben. Manche Banken hatten bereits erklärt, sie seien für Bargeld nicht zuständig.

Das Finanzministerium erklärt, dass für manche Gruppen die Nutzung von Bargeld erforderlich sei, und hat Finanstilsynet angewiesen, eine Regelung auszuarbeiten, um Banken zu verpflichten, dass Kunden direkt bei den Banken oder über Finanzdienstleister Bargeld einzahlen und abheben können. Zudem soll eine öffentliche Kommission eingerichtet werden, um die Rolle von Bargeld in der Zukunft

 

Ähnlich wie in Schweden, in dem die e-krona getestet wird, überlegt auch die norwegische Zentralbank wegen des Verschwindens von Bargeld eine digitale Währung einzuführen. Auch in Schweden spielt Bargeld kaum mehr eine Bedeutung, viele Geschäfte, Kneipen oder Restaurants sind cash-free und akzeptieren kein Bargeld mehr. Auch die schwedische Regierung versucht noch vorübergehend das Bargeld zu retten. Die größten Banken müssen seit Januar Bargeldfunktionen anbieten. Vermutet wird aber, dass die Geschäfte nicht mitspielen und in den nächsten Jahren aufhören, noch Bargeld anzunehmen.

Die Einführung einer digitalen, von der Zentralbank ausgegebenen Währung versucht, das Zepter des „Gelddruckens“ in staatlicher Hand zu halten und zu verhindern, dass die Menschen auf andere digitale Währungen ausweichen, deren Sicherheit nicht staatlich garantiert wird, die aber auch staatlich nicht kontrolliert werden.

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