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Umfrage konstatiert „Informationsbankrott“ durch Misstrauen in traditionelle Medien

22. Januar 2021, Florian Rötzer

Bild: Pxhere.com/CC0

Weltweit sei das Vertrauen in die Wirtschaft, die Medien, die Regierungen und die NGOs weiter gesunken. Aber es gibt erhebliche Unterschiede und es irritiert, warum die Menschen gerade Unternehmen und Managern das höchste Vertrauen entgegenbringen sollen.

Donald Trump ist gegangen, geblieben ist der Schwund an Vertrauen in die Medien. Das Misstrauen in die Medien und in die Politik, vor allem in den Kongress, hatte Trump weiter verstärkt, aber es reicht weiter zurück. Trump gab sich als die Alternative zur politischen Elite und den mit ihnen verbundenen Medien, die er stets als Fake News bezeichnete.

Nach einer aktuellen Umfrage von Edelman trauen nur noch 46 Prozent der Amerikaner traditionellen Medien. Das ist ein Tiefstand in den letzten 20 Jahren, in denen der „Vertrauensbarometer“ erhoben wird. Erstmals trauen weniger als die Hälfte der Amerikaner den traditionellen Medien. Allerdings ist auch das Vertrauen in die Sozialen Medien mit 27 Prozent auf einen Tiefstand abgesackt. Ganz besonders drastisch ist das Vertrauen in Medien bei den Trump-Wählern eingebrochen, aber auch bei den Biden-Wählern ist es gesunken. 56 Prozent glauben, dass Journalisten absichtlich Menschen täuschen, 58 Prozent gehen davon aus, dass Medien eher damit beschäftigt sind, eine Ideologie oder eine politische Position zu unterstützen, als die Öfdfentlichkeit zu informieren.

Und auch weltweit – in 27 Ländern wurde die Umfrage durchgeführt –   wird eine Epidemie der Desinformation und des Misstrauens in Institutionen und der führenden Personen konstatiert. Das gelte für die Wirtschaft ebenso wie für Regierungen, Medien und NGOs, aber auch für religiöse Leitfiguren. Global ist nach der Umfrage das Vertrauen in die traditionellen Medien um 8 Punkte auf 53 Prozent gesunken. Das ist noch höher als in den USA, aber der Einbruch der traditionellen Medien war am größten. Die „globale Infodemie“ hat das Vertrauen in Suchmaschinen, traditionellen Medien, kommerziellen Medien und Sozialen Medien gesenkt. Eine Mehrheit glaubt, dass Journalisten (59%), Regierungen (57%) und Wirtschaftsführer (56%) absichtlich die Menschen täuschen, weil sie Dinge sagen, von denen sie wissen, dass sie falsch sind.

Aber alles ist nicht ganz so einfach. So sei das Vertrauen in Medien im vergangenen Jahr in 15 von 27 Ländern gestiegen. Während es in den USA um 3 Prozent gesunken ist, ist es in Deutschland und den Niederlanden um 3 Prozent gestiegen. Besonders stark ist es in Saudi-Arabien, Australien, aber auch in Malaysia und Singapur gestiegen.

Hoffung in die Kompetenz und Ethik der Wirtschaft?

Vor allem die Covid-Pandemie habe das Misstrauen wachsen lassen. Zwar stieg das Vertrauen in die Regierungen nach dem Beginn der Pandemie erst einmal bis zum Mai 2020 an, aber nachdem kein Ende in Sicht war, ging es bis Januar 2021 wieder ebenso nach unten. Aber es gibt erhebliche Unterschiede. In Großbritannien stieg das Vertrauen um 24 Prozent und brach dann wieder um 15 Prozent ein, in China um 13 Prozent, in Deutschland um 5 Prozent, während es in Frankreich um 2 Prozent anstieg. In Deutschland haben die Menschen mit 61 Prozent gleichwohl das größte Vertrauen in die Regierung, in den USA 40 Prozent, in China nur 30 Prozent.

Edelman sieht, wie auch in früheren Ausgaben des Barometers, noch einzig die Hoffnung in der Wirtschaft. Da wird wahrscheinlich das Klientel bedient. Der Wirtschaft werde mit 61 Prozent global mehr vertraut als den Regierungen, den Medien und den NGOs. Die Wirtschaft werde nicht nur Kompetenz, sondern auch ethisches Verhalten zugeschrieben, Medien und Regierungen weder noch. Nun ja. Die NGOs kommen auf 57, die Regierungen auf 53 und die Medien auf 51 Prozent.

Will man wirklich glauben, dass 86 Prozent der Überzeugung sind, die Geschäftsführer müssten sich zu wichtigen gesellschaftlichen Fragen äußern, und 68 Prozent, dass sie einschreiten sollen, wenn die Politik die Probleme nicht löst? In den USA hatten wir gerade einen Geschäftsmann und Milliardär, der auch von sich selbst glaubte, er könne mit seiner Erfahrung mit Deals alles besser und Amerika wieder groß machen, was dann die Mehrheit der Amerikaner doch nicht so anerkannte. Dass die Menschen ihren Arbeitgebern vertrauen (oder hoffen, ihnen vertrauen zu können), ist nachvollziehbar, aber auch nicht sonderlich rational. Großen Konzernen steht man jedoch kritischer gegenüber.

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