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Zahl der Woche: 2100

22. März 2021, Andreas Schlumberger

In Europa herrscht Dürre wie seit über 2100 Jahren nicht mehr

Wenn man meint, dass einem die Zeit immer schneller zerrinnt, könnte das ein Zeichen sein, dass man alt wird. Da ist es fast schon tröstlich, dass manchmal ein Zeitraum tatsächlich sehr klein ist angesichts der gravierenden Änderungen, die er umfasst: Noch vor 15 Jahren konnte man guten Gewissens behaupten, dass wir Glücklichen uns nicht vor Wassermangel fürchten müssen. Das ist vorbei, passé, Geschichte.

Am 15. März 2021 veröffentlicht ein Wissenschaftlerteam unter Leitung des Instituts für Geographie der Universität Cambridge eine Auswertung von 27.000 Baumringdaten in Nature Geoscience. Die Wachstumsringe der untersuchten Bäume erzählen lückenlos die Klimageschichte Europas seit der Zeit, als Rom noch eine Republik war. Da gibt es Jahre mit mehr oder weniger Niederschlag, Trockenperioden korrelieren auffällig gut mit historischen Umbrüchen wie der Völkerwanderung. Noch auffälliger aber ist der Befund, dass die Jahre seit 2014 von Dürren geprägt sind, die in den über 2100 Jahren davor ihresgleichen suchen. Die trockensten fünf Jahre des gesamten betrachteten Zeitraums liegen in dieser kurzen Vergangenheit.

Das wiederum korreliert perfekt mit dem gruseligsten Waldzustandsbericht seit Beginn der Aufzeichnungen, dessen Kernsatz Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner im Februar für Regierungskreise überraschend unmissverständlich mitgeteilt hatte: „Noch nie waren so viele Bäume abgestorben wie 2020.“ Sie zeigte sich darüber „besorgt“. Die beschriebene ‚hydroklimatische Anomalie‘ führt der Nature-Artikel auf den anthropogenen Klimawandel und das daraus resultierenden Nachlassen des Polar-Jetstreams zurück. All das kam binnen weniger Jahre. Wollen wir uns jetzt noch einigermaßen glimpflich aus der Affäre ziehen, bleiben uns ebenso nur wenige Jahre für ein massives Umsteuern. Wäre es nicht schön, die Zeit würde wieder so langsam vergehen wie in unserer Kindheit?

www.nature.com/articles/s41561-021-00698-0
www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2021/26-waldzustandsbericht-2020.html

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