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Kompromisslos individuell – Martin Gojer und seine Weine

23. Oktober 2020, Wolfgang Staudt

Eingeschenkt habe ich mir heute einen Wein, der den Namen „Caroline“ trägt. Er ist in einem Südtiroler Weinberg hoch über Bozen im Weingut Pranzegg entstanden. Sein Macher, der Winzer Martin Gojer gehört dort im Gebiet zu den Repräsentanten authentischer und unverfälschter Weine und sagt von sich, er sei ein freiheitsliebender Anarchist, weshalb er für seine Art des Weinmachens Regeln und Vorschriften von außen ablehne. So ist es nur konsequent, dass er die Prozesse der Weinbereitung weder den gesetzlichen DOC-Statuten noch irgendwelchen Verbandsregularien unterordnet.

Im Sommer saßen wir zusammen und er hat mir seine Geschichte erzählt. Sein Start als Weingutschef kam plötzlich und unerwartet. Er war 18 Jahre jung, als sein Vater starb und er die Verantwortung für den elterlichen Betrieb übernehmen musste. Kneifen kam für ihn damals nicht infrage, aber ein bisschen verwegen findet er seine damalige Entscheidung aus heutiger Sicht schon.

Die Ernte ging zu dieser Zeit noch komplett an die Genossenschaft. Die Traubenpreise waren okay, aber ihn störten die Auflagen und Direktiven, was er wann und wie in Weinberg und Keller zu tun und zu lassen hatte.

Wenn Martin Gojer heute auf die Wegstrecke, die er seither zurückgelegt hat, zurückblickt, schaut er auf einen Weg aus der persönlichen und ökonomischen Abhängigkeit zu immer höheren Freiheitsgraden, vom Traubenlieferanten hin zum heutigen Freidenker und Biowinzer, der in enger Verbundenheit mit den Kreisläufen der Natur Weine auf Flaschen zieht, die selbstbewusst originell daherkommen und deren Nachfrage bei weitem das Angebot übertrifft.

Heute hat Martin Gojer den Freiheitsgrad erreicht, den er sich wünscht: „Ich kann meinen Wein ausbauen, wie ich will, ich muss keine Kompromisse eingehen und mich nicht einmal dem Markt unterordnen“, sagt Martin. Genau das ist es, was auch seine Weine ausmacht: Individualität und Kompromisslosigkeit.

Flasche Wein - Weingut Pranzegg

© 2020 by Pranzegg

Damit diese kompromisslos individuellen Weine möglich werden, arbeitet Martin Gojer im Weinberg extrem aufwendig und seit 2014 biodynamisch. Für seine Art des Weißmachers ist es essenziell, dass er maximal hochwertige Trauben erntet.

Nur dann kann er es sich erlauben, im Keller auf jegliche Hilfsmittel zu verzichten. „Wir tun nichts anderes“, sagt er, „als den Wein zu begleiten. Er entwickelt sich einfach besser ohne mein Zutun.“

Selbstverständlich ist der Prozess des Begleitens kein ganz passiver, aber doch meilenweit entfernt vom Interventionseifer konventioneller Weinbereitung.

Daran denke ich, während sich meine Nase mit „Caroline“ beschäftigt, dabei mal auf zitrische Noten und Kernobst, mal auf pflanzliche und tabakigwürzige Aromen trifft. Der Eindruck am Gaumen ist im Auftakt würzig und ungemein lebendig, wechselt dann in ruhigeres Fahrwasser, es geht runder und cremiger zu, bevor es dann zum Finale hin immer salziger und ein dezenter Gerbstoffeintrag spürbar wird.

Caroline, diese weiße Cuvee aus gemischtem Satz mit den Sorten Sauvignon blanc, Chardonnay, Viognier und Manzoni bianco, präsentiert sich mir so wunderschön trinkanimierend, frisch und belebend, dass die Begegnung nur so eine Freude ist.

Bezugsquellen: www.enoteca-italiana.de; www.weinfurore.de; www.freiheit-vinothek.de; www.weinkombinat.com

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