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Lisa Bunn – von der Weinkönigin zur Spitzenwinzerin

9. Oktober 2020, Wolfgang Staudt

Lisa Bunn ist eine Repräsentantin der jungen Winzergeneration in Rheinhessen. Aus Leidenschaft für den Wein entschied sie sich für den Winzerberuf. „Der Beruf des Winzers ist einfach so unglaublich vielseitig. Man steht ja nicht nur immer im Weingarten oder im Keller. Man macht sich Gedanken übers Marketing, ist auf Verkaufsveranstaltungen und hat direkten Kontakt zu den Menschen, die den Wein trinken. Dieser Mix ist einfach großartig und für mich der große Reiz des Winzerberufs.“

Und sie hat das Glück, Parzellen im Roten Hang bewirtschaften zu dürfen, einem der spektakulärsten Weinbergslagen in Rheinhessen: „Dieser Hang ist ein Geschenk, sagt sie, etwas ganz Besonderes. Die Weine, die wir von dort keltern, sind einmalig und unverwechselbar, ungemein fordernd und sie gefallen deshalb längst nicht jedem.“

Kaum einem Weinberg in Deutschlands wird soviel Respekt entgegengebracht wie dem geschichtsträchtigen „Roten Hang“, einer malerischen Kette von Steilhängen, die am Rheinufer zwischen den Orten Nackenheim und Nierstein aufragen. Das Rotliegende, dieser alte und sehr besondere, von Eisenoxid durchzogene tonige Schieferboden, der im Roten Hang den Ton angibt, stellt unter Weinliebhabern geradezu einen Mythos dar.

Bis auf wenige Ausnahmen wächst hier Riesling. Im Vergleich zu vielen anderen Rieslingen aus Rheinhessen kommen die Abfüllungen vom Roten Hang meist mit einem Touch Exotik daher. Sie erinnern in der Nase an Mango und Maracuja, manchmal auch an Ananas und saftige rosa Grapefruit. Hin und wieder finden sich sogar Anklänge an rote Früchte wie Himbeere und Johannisbeere. Diese Aromatik ist einzigartig und verleiht den Weinen vom Roten Hang ihr unverkennbares Alleinstellungsmerkmal.

Am Gaumen ist die Hölle los. Riesling vom Roten Hang hat Feuer und Temperament, wirkt ausgesprochen impulsiv und energisch, zugleich aber immer auch ein bisschen geheimnisvoll und tief. Vielleicht hat er diese besondere Stilistik dem Boden zu verdanken, der sich unter subtropischen Klimaverhältnissen vor rund 280 Millionen Jahren gebildet hat. Damals blubberten am Donnersberg Vulkane und in der Region war es ähnlich heiß und trocken wie heute im Death Valley. Erst als das Mainzer Becken beim Absinken des Oberrheingrabens aufbrach, kamen die alten Gesteinsschichten des Rotliegenden zum Vorschein.

Dieser mythische Hang ist also der Arbeitsplatz von Lisa Bunn. Hier bewirtschaftet sie zusammen mit ihrem Mann Bastian Strebel Parzellen in den Einzellagen Ölberg, Hipping und Orbel, deren Namen auch die Etiketten der Premiumweine des Weinguts schmücken. Auf meine Frage, wie sich die Weine aus diesen unterschiedlichen Lagen unterscheiden, meint Lisa Bunn: „Der Riesling vom Oelberg ist verführerisch, der Hipping vornehm und aristokratisch und der Orbel kommt wild und extrovertiert daher.“ Wer sich nun fragt, welcher der drei Weine im Charakter Lisa am nächsten kommt, der möge sich das Podcast-Interview anhören, das ich kürzlich mit ihr geführt habe: www.wolfgangstaudt.com oder die Winzerin in Nierstein besuchen.

Meine Weinempfehlung: Riesling vom Rotliegenden 2019

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