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DNA-Fingerabdruck aus der Luft?

2. April 2021, Florian Rötzer

Nacktmulle als DNA-Spreader. Bild: QMUL-Video

Wissenschaftler haben demonstriert, dass sich DNA auch aus der Luft sammeln und identifizieren lässt. Eine neue Möglichkeit vielleicht, nachträglich die Anwesenheit von Menschen an einem Ort nachzuweisen.

Für DNA-Analysen muss man Proben direkt vom Körper, etwa vom Speichel oder von den Haaren, entnehmen oder DNA wurde durch Berührung auf Oberflächen oder Kleidung hinterlassen. Es gibt allerdings auch Umwelt-DNA (eDNA), was kaum bekannt ist, auch wenn seit 10 Jahren mit „Environmental DNA“ bereits eine wissenschaftliche Publikation erscheint.

Umwelt-DNA wird durch Speichel, Urin oder Hautzellen hinterlassen. Vor allem im Wasser, aber auch in der Erde, im Schnee oder Regen kann DNA gesammelt werden, um etwa die Anwesenheit einer Tierart oder von Tiergattungen zu identifizieren. Wissenschaftler von der Queen Mary University of London (QMUL) haben nun erstmals gezeigt, wie sie in der Zeitschrift PeerJ beschreiben, dass DNA von Tieren, nicht nur von Pflanzen und Pilzen, auch in der Luft nachgewiesen werden kann. Das eröffnet die forensische Perspektive, die Anwesenheit eines Menschen an einem Ort oder vor allem in einem Raum nachweisen zu können, nachdem er diesen bereits verlassen  und keine anderen Körperspuren hinterlassen hat.

Für ihren Versuch verwendeten sie eine Gruppe von Nacktmullen, die schon lange in einem Raum gelebt haben. Sie hinterlassen in der Umwelt keine Haare, sondern Hautzellen, die einfacher zu analysieren sind. Mit einem HEPA-Filter konnte DNA der Nacktmulle aus der Luft durch eine Pumpe gesammelt werden. Dazu wurde aber auch DNA der Wissenschaftler und der Betreuer der Tiere entdeckt, die sich im Raum aufgehalten haben und eben auch Säugetiere sind.

Umwelt-DNA aus der Luft dient vor allem der Erkennung, welche Tierarten an einem Ort anwesend sind bzw. waren. Damit ließen sich auch Schädlinge oder invasive Arten erkennen, vor allem aber die Zusammensetzung einer Population in einer ökologischen Nische. Aber dass auch die DNA von Menschen gefunden wurde, ließ die Wissenschaftler wegen der forensischen Möglichkeiten wach werden: „Mit der Verwendung von Luft als Quelle kann es für eine nichtinvasive DNA-Sammlung oder in der forensischen Anthropologie möglich werden, forensische Spuren von kürzlich stattgefundenen Aktivitäten zu finden, auch wenn keine körperlichen Spuren wie Blut oder Haare zurückblieben“, schreiben die Wissenschaftler.

Das Experiment erfolgte in einem geschlossenen Raum, fraglich bleibt, unter welchen Bedingungen dies auch in freier Luft möglich wäre. Aber klar ist, dass die Überwachungsmöglichkeiten mit dem technischen und wissenschaftlichen „Fortschritt“ umfassender werden. Wie in diesem Fall geht es um „dual use“, aber dass die Wissenschaftler die forensischen Möglichkeiten herausheben, zeigt auch, dass es ihnen um den Erfolg ihrer vorgeführten Methode geht, egal in welchem Bereich geht, während die Ethik keine Rolle spielt.

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