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„Die Medien sind seuchengeil“

7. März 2021, Florian Rötzer

Devise des WEF? „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ (Hölderlin). Bild: Unsplash

Walter van Rossum über sein Bestsellerbuch „Meine Pandemie mit Professor Drosten“ und was hinter der Corona-Pandemie steckt.


Zum Video des Gesprächs: „Alle werden mürbe gemacht und am Ende wimmern sie um eine Gnade oder eine Rettung“


Frage vorneweg: Werden Sie sich impfen lassen?

Van Rossum: Natürlich nicht. Das Zeug ist hochgefährlich. Ich sehe überhaupt keine Veranlassung, mich impfen zu lassen.

Also weder die konventionellen Impfstoffe  …

Van Rossum: Ich hatte als Kind mal Schwierigkeiten bei einer – ich glaube – Pockenimpfung. Alle anderen Impfungen wie Tetanus habe ich. Die sind ja bewährt. Aber der neue Impfstoff ist so wenig überprüft, zudem gibt es jede Menge Zwischenfälle, nahezu tausend Tote in Europa, viele Hospitalisierungsfälle und 1500 Infektionen in Folge der Impfung. Wenn man weiß, wie lange die Entwicklung solcher Impfstoffe braucht, speziell ein solcher unerprobter, bei dem die Technik ganz neu ist,  dann wird es einem schon Angst und Bange. Noch schlimmer ist, wenn da Chefärzte stehen und sagen, der Impfstoff sei völlig harmlos, wenn sie nicht einmal die Daten kennen, sondern nur die Lobeshymnen der Hersteller über ihre Vakzine, die sie nachbeten. Nach allem, was ich weiß, sind auch die Studien von sehr schlichtem Design. Die sagenhafte Erfolgsquote von 95 Prozent, wo jeder Fachmann fragt, wie das geht, errechnet sich über Tricks.

Sie meinen jetzt beide Arten von Corona-Impfstoffen …?

Van Rossum: Nein, ich meine nur die mRNA-Impfstoffe.

Sie könnten sich ja beispielsweise mit Sputnik V impfen lassen …

Van Rossum: Da weiß ich zu wenig. Ich halte aber die allgemeine Gefährdungslage für nicht sehr groß. Ich wäre angesichts meines Alters und diverser Vorerkrankungen bestimmt ein Risikopatient, aber ich glaube nicht, dass ich mich impfen lassen werde.

Passen Sie ansonsten auf?  Versuchen Sie die vorgegebenen AHA-Sicherheitsregeln einzuhalten oder sagen Sie, nein, die sind nicht notwendig?

Van Rossum: Wollen Sie mich in den Knast bringen?

Sie werden natürlich Ihren Mundschutz anziehen, wenn Sie in ein Geschäft gehen, aber halten Sie auch sonst persönlich die Regeln ein?

Van Rossum: Nur in der Öffentlichkeit, um irgendwelchen Debatten aus dem Weg zu gehen. Ich hab hoffentlich in meinem Buch hinreichend beschrieben, was ich von dem großen Pandemiehype halte.

„Ich dachte, einer von uns beiden ist irre, entweder Drosten oder ich“

Sie haben Ihr neues Buch dem Professor Drosten gewidmet. Sie hatten ja früher schon einmal ein Buch über Sabine Christansen und die Talkshow geschrieben. Gab es denn einen bestimmten Anlass, sich Drosten  vorzunehmen?

Van Rossum: Das ist eher etwas Privates. Als ich einmal um ein Uhr Nachts vor dem Fernseher saß und durch meine Kehle durchaus auch etwas Wein geflossen war, hörte ich beim Zappen durch die Programme zufällig einen dieser NDR-Podcasts, die dann irgendwann Nachts gesendet werden. Ich dachte, einer von uns beiden ist irre, entweder er oder ich. Ich hatte eher mich wegen des konsumierten Alkohols in Verdacht, habe das aber mir das zwei Tage später nochmal angehört. Ich war mir dann aber sicher, dass Herr Drosten etwas an der Waffel hat, um das salopp auszudrücken.

Beim Recherchieren, was er alles gesagt hat, bestätigte  sich das. Eigentlich hat er alles gesagt und auch wieder alles widerrufen. Das zeigt eine sonderbare Hilflosigkeit und auch Geschwätzigkeit, weil es nicht nur um das virologische Feld, sondern auch um die Gesellschaft und den Umgang mit dem Virus geht. Wenn man diese Podcasts verfolgt, kann man ganz gut beschreiben, was mit der Pandemie passierte und warum es so gelaufen ist, wie es gelaufen ist. Aber ich habe dann gemerkt, dass noch andere Dinge hereinspielen. Drosten ist ja  nicht nur der Erfinder des PCR-Tests, der mittlerweile das unheilvollste medizinische Tool geworden ist, das es je gegeben hat …

Es gibt ja mittlerweile Dutzende von PCR-Tests …

Van Rossum: Über tausend. Aber er hat sozusagen das Urmodell …

Nun ja, es war ja ein größeres Team …

Van Rossum: Ja, es ist die Spezialität von Drosten. PCR-Tests können durchaus in bestimmten Kontexten  sinnvoll sein, aber so, wie diese mit Drostens Billigung verwendet wurden, und er dies auch durchgezogen hat, dass es in Eurosurveillance ohne Peer Review veröffentlicht wurde, wo er und ein anderer aus dem Team im Vorstand sitzt, ging es einfach darum, sich als Erster zu platzieren. Die WHO hat das auch gleich innerhalb eines Tages übernommen. Dann stößt man darauf, dass Drosten auch tief in der Vorgeschichte steckt. Mit Sars-1 holte er schon sein erstes Bundesverdienstkreuz und hatte er als Erster einen PCR-Test entwickelt. Sars wurde bei dem Pandemiegeschehen zur großen Referenz, es sei die erste schwere Pandemie des 21. Jahrhunderts gewesen. Das ist Quatsch. Es gab um die 8000 Infektionen und 700 Tote, die allermeisten in China. Eine völlig absurde Aufblähung …

Wie kam es denn dazu, dass Drosten diese wichtige Rolle spielte? Unterstellen Sie ihm eine Absicht? Sagen Sie, hinter ihm steht ein Netzwerk an Menschen und Organisationen, die die Pandemie aufblähen wollten?

Van Rossum: Nein, er ist ja nicht federführen, es ist seine persönliche Eitelkeit und seine Art, sich nach vorne zu drängeln, indem er auch die Kollegen dauernd abmahnt und sagt, sie hätten keine Ahnung. Es ist ein sehr ehrgeiziger Mensch, der manchmal mit nicht so anständigen Waffen kämpft. Er ist hier reingerutscht, weil er diesen PCR-Test als  Erster entwickelt hatte und sein Labor zum weltweiten Referenzlabor für PCR-Tests und -Diagnosen wurde.

Dann hat der NDR am 26. Februar 2020 angefangen, eine tägliche Sendung mit ihm zu produzieren, als es in Deutschland  vielleicht 2 Fälle und keine Toten gab. Der NDR hatte ihm also schon eine tägliche Sendung für die kommende Pandemie, von der niemand wissen konnte, dass sie kommt, den Teppich ausgerollt. Diese Gelegenheit hat er genutzt, er wurde immer bekannter und hat sich dann auf allen Medien geäußert. Er hat auch schön immer gesagt, dass die Politik die Entscheidung trifft, er könne nur als Virologe nach seinem Kenntnisstand bestimmte Dinge sagen. In Wahrheit hat er hier sehr gedrängt, er hatte einen Zugang zur Öffentlichkeit.

Die Problematik des PCR-Tests kennt er natürlich und weiß, was man mit ihm machen kann, also dass er für diagnostische Zwecke nur unter ganz bestimmten Umständen geeignet ist. PCR-Tests sind für Molekularbiologen ganz normales Handwerkszeug. Aber wie der Erfinder Kary Mullis schon gesagt hat, kann man damit alles und jedes finden oder auch nicht, man muss damit richtig umgehen. Es hat wider besseren Wissens gehandelt, davon bin ich überzeugt.

Das würde doch heißen, dass sich die weltweite Wissenschaftlergemeinschaft bis auf wenige Ausnahmen hat täuschen lassen, dass sie sich mit PCR-Tests nicht auskennt oder dass sie verschwörerisch mit Drosten tätig ist. Es wurden zahlreiche Tests entwickelt, die auch angewandt werden. Es gibt in allen Ländern maßgebliche Virologen wie Drosten, Fauci etwa in den USA oder Tegnell in Schweden, die auch mitgespielt haben. Es gab keine grundsätzliche Kritik, bis auf einige Außenseiter, häufig emeritierte Professoren.

Van Rossum: Es gibt eine ganze Menge Leute, die sich früh gemeldet und gesagt haben: Achtung, Achtung! Für mich ist immer ein Rätsel: Jeder, der PCR-Tests kennt, was viel mehr sein werden als nur hochspezialisierte Virologen, kennt auch die Probleme. Der PCR-Test ist auch nie validiert worden.  Im November hat eine Gruppe von Molekularbiologen den Test auseinandergenommen und gravierende Fehler gefunden.

Das waren fast keine Mikrobiologen, sondern es war eine etwas obskure Gruppe von Wissenschaftlern, die auch nur einen Test vorgenommen und nicht auch die vielen anderen. Das Problem könnte sein, dass der Test nicht mehr eine Infektion nachweist, wenn zu viele Zyklen gemacht werden. Dass Virenpartikel nachgewiesen werden, ist aber außer Frage.

Van Rossum: Es werden keine Virenpartikel, sondern bestimmte Nukleinsäuren nachgewiesen. Mittlerweile geht man davon aus, dass es nach  ungefähr 25 von den Amplifikationszyklen, von denen Sie gesprochen haben,  kein vermehrungsfähiges Virus bzw. Partikel des Virus mehr nachweisbar ist. Das Drostenmodell fing, glaube ich, bei  45 an, damit findet man wirklich alles. Weltweit ist keiner dieser PCR-Tests validiert worden, sie sind immer nur in der Notsituation zugelassen worden von den Behörden, obgleich zuerst ein Notfall noch nicht einmal am Horizont zu erkennen war. Da gibt es schon viele Probleme.

„Wir diskutieren jeden Tag, wie viel China wir noch brauchen“

Gehen wir mal an den Anfang. Im Januar wurde bekannt, dass es diese Lungenkrankheit in Wuhan gab, die dann als Pandemie identifiziert wurde. Ich kann mich noch erinnern,  dass man sich auch in den Öffentliche-Rechtlichen  zu Beginn über die ängstlichen Chinesen eher lustig gemacht hat. Es galt schon fast als Verschwörungstheorie, angenommen wurde, dass die chinesische Regierung es nur nutzte, um einen autoritären Zugriff zu ermöglichen. Man verwies dabei auf die Proteste in Hongkong. Aber das chinesische Modell des Lockdowns haben dann ja fast alle Staaten übernommen und die Medien spielten mit. Sie sehen dahinter ja interessierte Kreise wie das Weltwirtschaftsforum. Aber wie soll man verstehen, dass so viele unterschiedliche Staaten, die miteinander auch konkurrieren wie beispielsweise China und die USA, alle am selben Strang ziehen?

Van Rossum: Das kann ich mir nur durch Vorsatz erklären. Das ist eine der entscheidenden Hinweise auf das, was man heute Verschwörungstheorie nennen würde. In Wuhan gab es 27 Fälle dieser rätselhaften Lungenkrankheit. Xi Jinping, der Parteichef und Herrscher über 1,4 Milliarden Menschen, hat dann am 12. Januar, als es etwa 300 Fälle in China und ein paar in Hongkong und Singapur gab, die Eindämmung und Aufklärung selbst in die Hand genommen. Als es ein paar mehr wurden, hat er angeordnet, dass die Provinz Hubei hermetisch abgeriegelt wird. Damit hat er zu einem Mittel gegriffen, das es weltweit noch nicht gegeben hat und was in keinem der Pandemiepläne auch nur annähernd vorgesehen war. Der Einschluss von komplexen Systemen und Gebieten war ein völliges Novum. Das hat die WHO auch gesagt, aber dann auch, dass China das Modell für die Pandemiebekämpfung ist.

Fast ganz China wurde ruhiggestellt, die Provinz Hubei hermetisch abgeriegelt, obwohl es weltweit nur 581 Infizierte gab, davon waren 574 Chinesen, von denen wiederum stammten 375 aus Wuhan und Umgebung der Rest von 199 war in China verteilt, nach zwei Monaten wurde dann gesagt: Das war’s, die Pandemie ist vorbei. Man sieht dann auch Partybilder aus Wuhan. Niemand hat das geprüft. Hat China das wirklich geschafft oder einfach das Testen bzw. das Informieren über Testen eingestellt?

Das ist aber Spekulation.  (Es gab immer wieder Berichte von einzelnen positiv Getesteten und weiteren Lockdowns)

Van Rossum: Ja, das ist Spekulation. Es gibt Geheimdienstberichte, auf die ich auch nicht viel gebe, dass es danach doch noch Kranke gegeben hat. Am Ende China hatte am Ende eine irrwitzig gute Bilanz. Auf 1,4 Milliarden Menschen kamen 90.000 Infizierte und 4600 Tote. Zu einem sehr frühen Zeitpunkt hat die WHO die chinesische Politik beispielhaft genannt und der Welt als Vorbild dringend nahegelegt. Die Mär vom Erfolg des Lockdowns hat sich durchgesetzt, seitdem diskutieren wir jeden Tag, wie viel China brauchen wir noch oder ob es nicht ein Versäumnis ist, nicht so gehandelt zu haben wie die Chinesen. Das ist so in der amerikanischen, russischen, britischen, türkischen  oder deutschen Regierung. Wir kommen nie aus dem Modell raus, wenn denn die Pandemie wirklich so schlimm ist, wie sie uns dargestellt wird. Es gibt vielleicht viel wirksamere Mittel, zumal die Lockdowns nur sehr wenig gebracht haben, dafür aber Kollateralschäden verursacht haben, an denen wir die nächsten 10 Jahre noch zu knabbern haben.

Warum haben die anderen Staaten das chinesische Modell aufgegriffen? Sind da politische Interessen dahinter oder herrschte einfach Angst, da es seit Jahrzehnten immer wieder Warnungen vor der nächsten großen Epidemie gab. An der Spanischen Grippe waren nach dem Ersten Weltkrieg viele Millionen gestorben. Die Angst ist ja durchaus berechtigt. Niemand wusste zu Beginn, was daraus entstehen kann. Oder meinen Sie, es gab das Wissen, dass es etwas Harmloses ist, und man hat es ausgenutzt?

Van Rossum: Die meisten Fachleute, inklusive Prof. Drosten, haben meiner Erinnerung nach am Anfang gesagt, es sei sehr unwahrscheinlich, dass das ein Knaller wird. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert hatten wir vier sogenannte Pandemien, von denen keine eine war. Das waren Übungspandemien. Sars habe ich schon genannt, dann kam die Vogelgrippe, die Schweinegrippe und Mers. Bei den meisten dieser Virenausbrüche wurden von den einschlägigen Institutionen und „Experten“ umgehend Hunderte Millionen Tote prophezeit. Als Drosten im März 2003 am PCR-Test für Sars 1 saß, sagte er, dass es damals nur zwei Themen in der Öffentlichkeit gegeben habe: den Überfall auf den Irak und Sars, obwohl sich die Ereignisse in Fernost abgespielt haben  und es überhaupt keine Indikatoren für ganz gefährliche Entwicklungen gegeben hat. So war das bei den späteren Epidemien auch.

Es gibt seit 20 Jahren eine Vielzahl von Organisationen, hinter denen sehr reiche und mächtige Leute stecken, die uns ständig auf eine pandemische Preparedness vorbereiten wollen. Um es mit den Worten von Bill Gates sagen: Mit Atombomben, Kriegen und Klimaerwärmung können wir umgehen …

In seinem letzten Buch schreibt er, nicht die Pandemie sei die größte Herausforderung, sondern der Klimawandel.

Van Rossum: Ja, der sagt alles Mögliche. Aber er hat seit 20 Jahren viele Milliarden in das Impfwesen gesteckt und kotrolliert große Teile des weltweiten Impfgeschehens. Er hat das wörtlich in einem Interview im Deutschlandfunk gesagt, dass das Einzige, was ihm wirklich Sorge macht, die Pandemien seien, auf die wären wir nicht vorbereitet. Deshalb gab es auch verschiedene, hochrangig besetzte Übungen, die mittlerweile bekannt sind, in Vorbereitung dazu.

Die letzte dieser Übungen, bei der es um einen Coronavirus ging, war im Oktober 2019 in einem Luxushotel in New York. Sie kam zu dem Befund, dass wir von einer Pandemie völlig überfordert wären. Das WEF, das zu den Mitveranstaltern gehörte, hat dann am 17. Januar 2020, eine Presseerklärung herausgegeben, die die Ergebnisse der Übung der Welt mitteilte. Das war drei Tage vor der Tagung des Weltwirtschaftsforums in Davos. In der Mitteilung gab es keinen Bezug zu der gerade aufkeimenden Krankheit, die bereits durch die Welt ging.

Die Medien haben dann spätestens seit dem 20. Januar beschworen, dass da etwas ganz Schlimmes kommt, und sie haben jede Diskussion ausgeschlossen, wodurch die letzten Standards des Journalismus in den Keller geschickt wurden. Sie machten sich zum missionarischen Arm der Pandemie. Man kann sehr gut zeigen, glaube ich, mit welchen Mitteln die Pandemie aufgeblasen  und ein reales Krankheitsgeschehen mit irrwitzigen Zahlen überblendet wurde.

Wenn hier auch die Medien mitgespielt haben, sind die dann eingebunden in diese unterstellte Verschwörung oder zeigen sie eher das bekannte Rudelverhalten, dass auf ein Thema alle aufspringen und andere Meinungen ausgegrenzt oder zu Verschwörungstheorien gemacht werden? Was ist letztlich das Ziel der ganzen Geschichte, wenn diese, wie Sie sagen, irgendwie geplant ist? Sie sagen ja, dass es da einige reiche Menschen  und Organisationen gibt, allen voran das Weltwirtschaftsforum,  die die Preparedness ansagen und die Pandemie wie das WEF nutzen, um ein neues oder verändertes Wirtschaftssystem zu etablieren. Spielen da auch die Medien mit?

Van Rossum: Ich glaube nicht, dass man die Medien einspannen muss, die sind, ich sage das mal grob, seuchengeil. Das waren sie bei allen von mir zitierten Pseudopandemien, die sie zu wahnsinnigen Ereignissen hochgejazzt haben. Das Aufsehenerregende und Wichtigmeierische liegt ihnen. Da wir beide ja etwas älter sind, erinnern Sie sich etwa in den neunziger Jahren an die Diskussion über Serbien-Interventionen. Damals gab es ein großes Spektrum in den Medien, heute gibt es eine einzige Meinung. Die Parole ist ausgegeben, wir dürfen keine zweite Meinung haben, sonst würden wir parteiisch oder verwirren wir den Zuhörer oder Leser. Diese Selbstgleichschaltung ist schon lange im Gange, aber sie hat mit dieser Pandemie ein Niveau erreicht, mit dem ich nicht gerechnet hätte. Das hat mit Journalismus nichts mehr zu tun, es ist erbärmliche Propaganda.

Heute haben wir eine mediale Oberwelt und im Keller das Netz mit all dem, was da so kreucht und fleucht

Hat das damit zu tun, um einen Blick auf die Seite zu werfen, dass seit Ende der neunziger Jahre das Internet und damit eine andere Medienwelt aufgekommen ist. Jeder kann seinen eigenen Blog machen, jeder kann publizieren, es kommen auch Meinungen hoch, die von den etablierten Medien nicht mehr kontrolliert werden können.  Hat das zu der Verschärfung geführt, dass die etablierten Medien versuchen, diese andere, wild wuchernde Öffentlichkeit auszublenden, wodurch der Drang zu einer gefestigten, alternativenlosen Meinung umso stärker wird?

Van Rossum: Das könnte gut sein. Heute haben wir eine mediale Oberwelt der sich selbst als Qualitätsjournalismus feiernden Medien und sozusagen im Keller das Netz mit all dem, was da so kreucht und fleucht. Pluralismus gibt es nur deshalb, weil die Kellerkinder sich vernehmbar machen. Früher gab es die FAZ, die stramm konservative Meinungen von sich gegeben hat, man konnte aber sicher sein, dass die Frankfurter Rundschau am nächsten Tag sagt, das stimmt so nicht. Das war ein gewisser Kontrolleffekt. In der Oberwelt sind jetzt alle unter sich. Da gibt es keinen mehr auf den Fluren, der sagt, das könnte man doch auch mal anders sehen, das wäre vielleicht interessanter, muss ja nicht stimmen, aber könnte ja sein. Heute findet man zu Russland, wenn es da ein Ereignis gibt, in jeder Zeitung und in jedem Fernsehsender denselben Text, anekdotisch etwas anders präsentiert, aber vom Gehalt her ist es immer dasselbe.

Es ist schwer zu sagen, womit das zu tun hat. Vielleicht auch damit, dass der so genannte Qualitätsjournalismus finanziell als Geschäftsmodell enorm abschmiert. Das wird sich jetzt nicht verbessern. Ich kenne viele Leute, die Abos gekündigt haben, weil sie das nicht mehr ertragen können. Jeder Versuch der Unterwelt, in Kontakt zur Oberwelt mit Kritik oder Gesprächsangeboten zu kommen, scheitert. Die halten uns für Irre, Diskussion ausgeschlossen.

Beim WEF sind sie kapitalismuskritischer als die SPD oder unsere Linke

Sie haben Ihr Buch im November beendet, jetzt ist eine neue Welle entstanden. Es ist klar, dass eine gewisse Übersterblichkeit vorhanden ist. Man spricht davon, dass mit den neuen Mutanten noch einmal etwas Gefährlicheres auf uns zukommen könnte. Die Impfstrategie ist angelaufen, viele Regierungen machen nun einen Wettlauf aus Öffnungsstrategien, wer zuerst öffnet und wie weit. Wie glauben Sie, wird es weitergehen, wenn Sie das auf dem Hintergrund Ihrer Recherchen und Vermutungen einmal bewerten? Bleiben wir in der Panikspirale? Wird das Reset umgesetzt werden, was aber eigentlich nirgendwo zu sehen ist?

Van Rossum: Wie es weitergeht, weiß ich natürlich auch nicht. Aber man sieht, der Wille zur Pandemie bleibt. Die Mutanten sind völlig normal, niemand hat nachgewiesen, dass sie gefährlicher sind und sich schneller verbreiten. Das sind aus der Luft gegriffene Behauptungen. Mittlerweile gibt es über 2000 Mutationen, das ist völlig normal. Es gibt auch die Hypothese, dass Mutationen ein Zeichen sind, dass sich das virale Geschehen abschwächt.

Mittlerweile sind wahnsinnige Schäden entstanden, über die wir genauso belogen werden. Wenn ich höre, wir hätten nur 5 Prozent weniger BIP, dann kann ich nur lachen. Es geht vielen Leuten schlecht, das Geld ist da, aber von den Überbrückungsgeldern sind bislang nur 14 Prozent ausgezahlt. Es weiß jeder, dass bestimmte Läden, die Gastronomie usw. das nicht überleben können. Es wird immer wieder in Aussicht gestellt, damit die Leute nicht vollkommen durchknallen. Was wirklich kommt, weiß ich nicht. Jetzt geht bald die Virensaison zu Ende. Man wird sagen, das war alles der Erfolg des Lockdowns, was Quatsch ist. Es werden die Folgeschäden kommen, Selbstmorde, Menschen, die wegen der Hysterie nicht behandelt wurden, und die Pleitewellen. Ich nenne das eine Zerrüttungstechnik.

Alle werden mürbe gemacht und am Ende wimmern sie um eine Gnade oder eine Rettung. Das ist eine Behauptung, ich kenne keine Täter und Tatpläne, aber wohin man schaut, es wird gelogen, dass sich die Balken biegen, und ich versuche aus dem, was alles nicht stimmt, eine Richtung abzuleiten.

Das WEF spielt eine Rolle. Das sind Leute, die ganz kalt beobachten, was in der Welt passiert. Der Neokapitalismus hat die Welt ziemlich zugrunde gehen lassen und enormdestabilisiert. Beim WEF wird genau seziert und analysiert, wo es überall Probleme gibt: Migration, Überschuldung, Finanzmärkte, Klimaerwärmung etc. Sie sehen ganz genau, wenn es an einem Punkt kriselt dann bricht sehr schnell alles zusammen.

Der geplante Reset heißt nicht, wie manche glauben, dass die Superreichen noch mehr Kohle machen wollen, der Club der Reichsten und der mächtigsten Konzerne hat mehr als genug. Aber man hat verstanden, dass es eine erhebliche Anzahl nicht mehr kontrollierbarer Risiken gibt. Und wenn diese Krisen ausbrechen, dann wird der ganze Reichtum zu Spielgeld und löst sich in Rauch auf. Es geht um Stabilität und um neue Strukturen, die man in einer kontrollierten Krise, aber nicht in einer Panikkrise errichten kann.

Der Kapitalismus zerstört sich selbst mitsamt allen Folgeerscheinungen. Daher muss man das Ganze retten, die Wirtschaft auf Nachhaltigkeit umstellen, die Ungleichheit nicht größer werden lassen und einen vernünftigen Kapitalismus einführen. Das könnte man doch wie das WEF anstreben, bevor die Welt kaputtgeht? Oder gäbe es eine Alternative? Verdrängt die Initiative, die vielleicht mit der Pandemie einhergeht, andere Bemühungen zur Schaffung einer anderen Wirtschaft oder Lebensweise?

Van Rossum: Es ist letztlich egal, ob die Pandemie veranstaltet oder ob sie gekapert wurde. Man hat sich so lange darauf eingerichtet, dass so etwas kommt. Die Diagnosen des WEF können wir beide bedenkenlos teilen. Ungleichheit ist ein wichtiger Punkt. Die sind kapitalismuskritischer als die SPD oder unsere Linke.  Die sehen die enorme Instabilität und die Tatsache, dass es keine globale Behörde gibt, dass es keine globale Handlungsebene gibt. Der WEF ist der Zusammenschluss der tausend reichsten und mächtigsten Konzerne, die weltweit agieren und ein unglaubliches Netzwerk haben. Das ist eine Handlungsebene ohne politisches Mandat. Das WEF hat sich schon lange darum bemüht, sich durch eine Fusionierung mit den Vereinten Nationen zum privaten Partner der UN-Organisation zu machen. Das ist kühn, aber es sind Leute, die von oben auf die Welt schauen und sehr große Zusammenhänge sehen. Sie rechnen schon lange mit Instabilität, die zum Kollaps führt.

Wir wissen ja, dass es chancenlos ist, 190 Staaten an einen Tisch zu setzen, um etwas zu entscheiden. Insofern kann das nur wie ein kalter Streich sein, also kein Staatsstreich, bei dem die MPs herausgeholt werden, sondern dass die Welt so  mürbe ist, dass alle, sowohl die Einzelnen als auch die Staaten und die großen Konzerne, sagen: Ja, wir brauchen diese Handlungsebene. Damit wäre der Konsens und die Legitimität hergestellt, allerdings über den Umweg einer Pandemie.

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