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Ursprung des Coronavirus bleibt ein Politikum

20. Januar 2021, Florian Rötzer

Sars-CoV-2. BIld: NIAID/CC BY-2.0

Kurz vor dem Ende hat die Trump-Regierung noch einmal auf das Labor in Wuhan gezeigt, in China soll die Pandemie auch von außen kommen, in Verdacht geraten sind gerade Speiseeis und wieder tiefgekühlte Lebensmittel.

Die Trump-Regierung hat China verdächtigt, für die Coronavirus-Pandemie verantwortlich zu sein. Man habe Beweise, dass das Virus aus einem chinesischen Labor stammt und absichtlich oder irrtümlich freigelassen wurde, sagte er im April 2020. Die Beweise legte er nicht vor, die Beschuldigung passte zu seiner Anti-China-Politik, Sars-CoV-2 nannte er konsequent das China- oder Wuhan-Virus. In China wurde eher die gleichfalls unbelegte These verbreitet, dass das Virus von außen eingeschleppt wurde, genannt wurde etwa von einem Sprecher des chinesischen Außenministerium die Military World Games, die im Oktober 2020 stattgefunden und an denen auch US-Militärs teilgenommen haben.

Noch am 15. Januar strickte das US-Außenministerium an dem Verdacht gegen das Wuhan-Labor und veröffentlichte ein „Fact Sheet“, in dem stand, dass dort schon länger an Corona-Viren geforscht wurde – übrigens mit Beteiligung internationaler, auch amerikanischer Forscher – und Mitarbeiter im Herbst 2019 die ersten Infektionen gehabt haben sollen. Dazu will man wissen, dass das Labor, das auch Gelder aus den USA erhalten hatte – eng mit dem chinesischen Militär zusammenarbeite.

Hintergrund ist, dass vor ein paar Tagen das WHO-Team nach langen Verzögerungen durch die chinesische Regierung ins Land durfte, um die Ursprünge der Pandemie aufzuklären. Zunächst müssen die Wissenschaftler erst einmal in eine 14-tägige Quarantäne, dann werden sie auch nur beschränkt arbeiten können. Unklar ist, ob Chinas Führung eine für sie unangenehme Aufklärung befürchtet oder ob sie Sorge hat, dass China etwas untergeschoben werden könnte, zumal man in China daran zweifelt, dass die Pandemie tatsächlich in Wuhan ausgebrochen ist.

Dazu kommt, dass zur Zeit der Ankunft des WHO-Teams auch in China wieder neue Infektionsausbrüche – meist lokale – in Hebei, Peking und anderswo auftreten, was der Regierung nicht in den Kram passt, da man behauptet hat, man habe Covid-19 schnell und vorbildlich mit einem harten Lockdown besiegt. Keine Ahnung, ob die WHO-Untersuchung, die Behauptungen der US-Regierung, die neuen Infektionsfälle oder nur ein weiterer Versuch, die Pandemie als eingeschleppt zu erweisen, dahintersteht, jedenfalls geht man erneut der Frage nach, ob sich das Virus auch über Lebensmittel verbreiten könnte.

Speiseeis mit Milchpulver aus der Ukraine oder Neuseeland unter Verdacht

Im Juni war bereits der Verdacht aufgekommen, dass von Fischmärkten eine Gefahr der Ansteckung ausgehen könnte, weil in Peking Fälle von infizierten Fischverkäufern in einem Großmarkt bekannt wurden. Der Markt wurde vorübergehend gesperrt und lokal ein Lockdown verhängt. Nachdem das Virus auch auf Schneidebrettern für Lachs auf einem anderen Markt nachgewiesen wurde, nahmen Supermarktketten diesen schnell aus ihrem Sortiment, schließlich wurde ein Importverbot für Lachs verhängt. Allerdings war auch auf den Markt für Rind- und Lammfleisch Sars-Cov-2 stärker nachgewiesen worden als in den anderen Bereichen gefunden worden. In Wunhan war das Infektionscluster auf dem Wildtiermarkt ausgebrochen, der direkt neben dem Fischmarkt lag.

Möglicherweise, so vermutete damals der  CDC-Chefepidemiologe Wu, fördern die feuchte Umgebung des Fischmarkts und die eingefrorenen Produkte die Verbreitung des Virus. Auffällig war schließlich auch, dass sich nicht nur in Europa Schlachthöfe als Viren-Hotspots erwiesen hatten (Wild-, Fleisch- und Fischmärkte – und Schlachthöfe?)

Jetzt wurden Coronavirus-Spuren in einigen Proben von Speiseeis in Tianjin entdeckt. Vermutlich sei Milchpulver aus der Ukraine oder aus Neuseeland die Ursache. In drei Proben des Milchpulvers und zwei Proben des Speiseeises war Sars-CoV-2 gefunden worden. Insgesamt waren 2800 Proben untersucht worden. Aber es reicht schon eine geringe, vielleicht zufällige Kontamination, um schnell bei den Behörden Panik zu erzeugen, die auch bei wenigen Neuinfektionen scharf reagieren. 372 Kartons mit Speiseeis wurden zurückgerufen, nur 21 sollen verschwunden sein, die Firma wurde geschlossen. Über 2000 Personen, die mit dem Speiseeis zu tun hatten, wurden getestet – und auch wenn mit negativem Ergebnis erst einmal in Quarantäne gesteckt.

Die WHO geht davon aus, dass von gefrorenen Lebensmitteln keine Infektionsgefahr ausgehen sollte. In China ist man aber davon nicht so recht überzeugt, wohl auch, weil man auf einen Import vom Ausland als Ursprung der Pandemie in Wuhan verweisen könnte. So war im November ein LKW-Fahrer von Tianjin infiziert worden, auf dem aus Nordamerika importierten gefrorenen Schweinefleisch hatte man auch Sars-CoV-2 gefunden. Das könnte er auf das Fleisch gebracht, es könnte aber umgekehrt gewesen sein oder von einer anderen Quelle stammen.

Kühlung könne das Überleben des Coronavirus deutlich verlängern

Gegenüber SMCP sagte die Umweltwissenschaftlerin Han Jie von der Xian Jiaotong Universität, dass das kontaminierte Speiseeis neue Fragen aufwerfe. Normalerweise würden tiefgekühlte Lebensmittel erhitzt, weswegen diese sicher seien. Aber Speiseeis werden eben kalt gegessen: „Ob das Virus Menschen durch den Verdauungstrakt anstecken kann, wenn es über Lebensmittel in den Körper gelangt, dafür gibt es meines Wissens noch keine abschließenden Beweise.“

 

Han war Ko-Autorin einer Studie, die untersuchte, ob es Hinweise auf eine Ansteckung durch Lebensmitteln gibt. Sie kam zum Ergebnis, dass die für die Lagerung und den Transport von gekühlten und tiefgekühlten Lebensmitteln Kühlung, das Überleben von Sars-CoV-2 „dramatisch“ verlängern kann. Das habe man auch bei anderen Coronaviren wie Sars beobachtet.

Dass öfter in tiefgekühlten Lebensmitteln Sars-CoV-2 entdeckt wurde, weise darauf hin, „dass das keine zufälligen, isolierten Vorfälle, sondern Zeichen sind, dass virale Kontamination und Übertragung durch Lebensmittel ein systematisches Risiko“ seien. Das scheint allerdings eine Übertreibung zu sein. Von den zufällig vom Zoll untersuchten 874.475 Proben von tiefgekühlten Lebensmitteln lieferten nur 13 positive Ergebnisse.

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