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Israel baut den Dimona-Reaktor und damit sein Atomwaffenprogramm aus

26. Februar 2021, Florian Rötzer

SuperView-1-Bild vom 4. Januar 2021. Bild: SpaceWill

Satellitenaufnahmen zeigen Baustelle, die israelische Regierung schweigt über das Vorhaben, es wurde auch nie eingeräumt, dass Israel über eigene Atomwaffen verfügt.

Dass Israel Atomwaffen besitzt, ist ein offenes Geheimnis. Israel, das dem Atomwaffensperrvertrag  wie Indien, Pakistan, Südsudan und Nordkorea nicht beigetreten ist, sieht in dem Bekanntsein natürlich einen Überlebensschutz. Der Verdacht besteht, dass Deutschland in den 1960er Jahren die Entwicklung des Nuklearwaffen-Forschungszentrums Dimona in der Negev-Wüste mit Steuergeldern unterstützt hat. Heute heißt es Shimon Peres Negev Nuclear Research Center.

Seit Ende der 1950er hatte Israel ein Atomwaffenprogramm verfolgt, der mit der Hilfe von Frankreich erbaute Atomreaktor hat seit Mitte der 1960er Jahre zur Herstellung von waffenfähigem Plutonium gedient – geduldet von den USA, die möglicherweise von den Israelis hinters Licht geführt wurden. Über wie viele Atombomben Israel mittlerweile verfügt, ist nicht bekannt, vermutet wird, dass es 100-200 sein könnten.

Dass im schwer bewachten „Forschungszentrum“ Atomwaffen hergestellt werden, hatte 1986 der  israelische Staatsbürger und Whistleblower Mordechai Vanunu mit Beschreibungen und Fotos belegt. Dafür wurde er vom Mossad von Italien nach Israel verschleppt, dort zu 18 Jahren Haft verurteilt, er verbrachte viele Jahre in Isolationshaft, nach der Freilassung unterlag er zahlreichen Beschränkungen (In Freiheit, aber wie im Gefängnis) und kam immer wieder in Haft. Noch heute darf er das Land nicht verlassen und mit Ausländern sprechen, Asylanträge scheiterten. Mit Vanunu wurde ein Exempel statuiert.

Deutschland, das sich in „besonderer Verantwortung“ sieht, könnte im Übrigen auch weiterhin das Atomwaffenprogramm Israels unterstützten, zumindest indirekt durch die Lieferung von mittlerweile fünf U-Booten der Dolphin 2-Klasse, ein sechstes wird noch fertiggestellt. Hervorstechendes Merkmal der U-Boote ist, dass sie mit Torpedoröhren ausgestattet sind, mit denen auch nukleare Marschflugkörper abgeschossen werden können. Die ersten beiden U-Boote schenkte Deutschland Israel, den Preis für das dritte teilten sich beide Staaten, für die übrigen übernahm bzw. übernimmt es die Kosten zu einem Drittel etwa in Höhe von 900 Millionen Euro. Mit den U-Booten könnte Israel den Iran auch aus dem Meer heraus angreifen und müsste nicht, wie 1981 im Irak geschehen, als Israel den Osirak-Reaktor bei Bagdad zerstörte, eine Bombardierung mit Flugzeugen durchführen. Ende Dezember, als die Spannung zwischen Iran und den USA unter Präsident Trump kurzzeitig einmal wieder eskalierte, war eines der israelischen U-Boote über den Suez-Kanal in das Rote Meer gefahren.

 

Über Satellitenaufnahmen wurde nun bekannt, dass Bauarbeiten am „Forschungszentrum“ stattfinden.  Neben dem alten Reaktor, wo es auch Untergrundlabors gibt,  wurde eine 140 x 50 m große, mehrere Stockwerke tiefe Grube ausgehoben. Die israelische Regierung schweigt sich über den Zweck des Bauvorhabens aus, aber es liegt nahe, dass es mit dem Atomwaffenprogramm zusammenhängt.

Allerdings soll mit dem Bauen bereits 2018 oder 2019 begonnen worden sein. Damals war nicht abzusehen, ob Trump die Wiederwahl gewinnen würde oder nicht, aber der israelische Regierungschef Netanjahu musste mit einem demokratischen Präsidenten 2021 rechnen und wollte möglicherweise vorsorgen, wenn die USA dem Atomabkommen mit dem Iran (JCPOA) wieder beitreten, was Joe Biden auch will. Die israelische Führung warnte seit Beginn des Abkommens, dass Iran trotzdem weiter Atomwaffen  entwickeln will. Will also Israel vielleicht sein Atomwaffenarsenal modernisieren, neue Atomwaffen bauen oder eventuell den Schutz des „Forschungszentrums“ vor möglichen Angriffen erhöhen?

„Ich glaube, dass die israelische Regierung plant, die existierenden Nuklearkapazitäten zu erhalten und“, sagt  Avner Cohen vom Middlebury Institute of International Studies in Monterey, der viel über Dimona geforscht und veröffentlicht hat. „Wenn der Dimona-Reaktor wirklich außer Dienst gestellt werden wird, wie ich das glaube, würde man erwarten, dass Israel sicherstellen will, dass bestimmte Funktionen des Reaktors, die noch unabkömmlich sind, voll ersetzt werden.“ Was auch immer der Plan ist, so scheint Israel nichts dagegen zu haben, dass das Bauprojekt bekannt wird, auch wenn das jetzt doch lange gedauert hat. Sonst hätte man versucht, das Projekt möglichst unterirdisch den Kameras der Satelliten zu verbergen.

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