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2: Wir verblasen das letzte Helium

4. November 2020, Andreas Schlumberger

Zahl der Woche – 2

 

Helium, das Element mit der Ordnungszahl 2, ist ein Edelgas. Das heißt, es geht keine Bindung mit anderen Elementen ein. Auf diesem Planeten kommt es nur in Erdgaslagerstätten vor. Es ist sehr klein, sehr leicht und damit sehr flüchtig. Freigesetzt entschwindet es in die Atmosphäre und letztlich in den Weltraum. Was weg ist, ist weg. Unsere Vorräte reichen noch 30 Jahre. Vielleicht.

Herstellen könnte man Helium wie in einem Stern: durch Kernfusion. Auf die irdische Variante dieses Prozesses warten wir seit Jahrzehnten und sie ist auch weiterhin nicht in Sicht.

Recyceln? Geht, gilt aber als zu teuer gegenüber der Standardverschwendung. Einmal mehr fahren wir mit unserer kurzsichtigen Marktlogik sehenden Auges in die Bredouille.

„Helium war billig und wir haben gelernt, es zu verschwenden“, warnte schon vor Jahren Oleg Kirichek vom Rutherford Appleton Laboratory. Wir haben die Vorräte verblasen für Micky-Maus-Stimmen und Partyballons. „Jetzt sind sie aufgebraucht, die Preise steigen und uns dämmert, wie dumm wir waren.“1

Das rare Edelgas, unersetzlich zum Beispiel in der Magnetresonanztomographie, ist zum Modellfall für unseren Umgang mit nicht-erneuerbaren Rohstoffen geworden.

 

 


  1.  https://www.theguardian.com/science/2012/mar/18/helium-party-balloons-squandered

 

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