Die Abschaffung des Menschen

Wie das Metaversum uns überflüssig macht

  • Europa Verlag GmbH
  • Hardcover
  • 304 Seiten
  • 215 mm x 135 mm
  • Erscheinungsdatum: 09.03.2023
  • Artikelnummer 978-3-95890-516-0

Hardcover

Neuerscheinung / Neuauflage März 2022- - vorbestellbar
Auf den Merkzettel

Der Fortschritt der letzten Jahrhunderte, vor allem in den Bereichen Medizin, Psychologie ebenso wie der Unterhaltungsindustrie und der Künstlichen Intelligenz, zeigt sich in unserem Alltag in einer andauernden Ausweitung der Komfortzone - die Welt wird bewohnbar, vor allem aber "gemütlich" gemacht. Von der (geografischen) Eroberung der Erde über das Primat der Sicherheit und Vorhersagbarkeit, die Abschaffung der Leere und der Langeweile hin zur Eroberung des menschlichen Körpers und Geistes geht die Entwicklung, die sich bereits in bedenklichen "Einzelfällen" zeigt - etwa der Digitalen Identität mit implantiertem Chip, der Einbettung von Virtual Reality und maschinengestütztem Lernen. Selbst das Glücklichsein ist zu einem Konsumartikel geworden. Das stellt uns Menschen vor die Frage, wozu es die Menschheit in ihrer jetzigen Form eigentlich noch gibt. Die Frage "Wozu überhaupt noch Mensch sein?" entpuppt sich als die wahre Frage nach der conditio humana - als eine, die das Menschsein erst ausmacht. Sobald sie nicht mehr gestellt wird, kann man von einer erfolgreichen Abschaffung des Menschen sprechen.

Wenn Gegenwehr gegen diese drohende Abschaffung des Menschen noch möglich ist, liegt sie in der Wiederherstellung von Bedeutung. Wir müssen begreifen, dass diese geistige Komponente nicht auf Digitales zu reduzieren ist. Der Geist des Menschen ist nämlich keineswegs bloße Informationsverarbeitung und analog zu einer Rechenmaschine zu verstehen. Ideen sind nicht Informationen, sondern verweisen auf Werte, die das Materielle übersteigen. Erst aus dieser Einsicht lässt sich Bedeutung generieren, die dem Menschen Orientierung verleiht und dem Fortschritt Grenzen auferlegt. Dies kann nicht als fortschrittsfeindliche Absage an die Technik geschehen,
sondern als Philosophie der Lebenskunst, die sich auf die Bereiche fokussiert, die Bedeutung schaffen können: das Universelle, wahre Kunst, echte Gemeinschaft.

Gunnar Kaiser
Gunnar Kaiser (*1976) ist Schriftsteller und Philosoph. Sein Roman »Unter der Haut« erschien 2018 und wurde bislang in sechs Sprachen übersetzt. Im Januar 2022 erscheint sein philosophisches Sachbuch »Der Kult« im Rubikon-Verlag. Als freier Journalist arbeitet Kaiser für verschiedene Medien, darunter die Neue Zürcher Zeitung, Die Welt, den Schweizer Monat und die Berliner Zeitung. Er ist Gründer der Online-Akademie SYMPOSIUM.