Das autobiographische Gedächtnis

Hirnorganische Grundlagen und biosoziale Entwicklung

  • Klett-Cotta
  • 301 Seiten
  • Hardcover
  • Format: 23,5 x 16,2 cm
  • Erscheinungsdatum: 01.01.2006
  • Artikelnummer 978-3-608-94406-8

Das Gedächtnis ist es, was den Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet. Genauer muß man sagen: Es ist das autobiographische Gedächtnis, das den Menschen zum Menschen macht. Es handelt sich um das Vermögen, »Ich« sagen zu können und damit eine einziga

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Das Buch beschäftigt sich in interdisziplinärer Sicht auf der Basis neuester Forschungsergebnisse mit der Entwicklung des autobiographischen Gedächtnissystems, die erst mit dem Erwachsenenalter vollständig abgeschlossen ist. Seine Entstehung basiert auf einem komplexen Zusammenspiel hirnorganischer Reifungsvorgänge, sozialer Entwicklungsanreize und psychischer Entwicklungsschritte.

Weil das Gehirn und mit ihm das Gedächtnis sich selbst erst in der Auseinandersetzung mit seiner physischen und sozialen Umwelt ausbildet und strukturiert, ist die Gehirn- und Gedächtnisentwicklung prinzipiell ein biosozialer Prozeß; organische und psychosoziale Reifung sind in der menschlichen Entwicklung lediglich unterschiedliche Aspekte ein und desselben Vorgangs. Die Autoren zeigen, daß die unfruchtbaren Dualismen von Gehirn und Geist, Natur und Kultur in interdisziplinärer Forschungsarbeit überwunden werden können. Sie liefern zugleich einen aktuellen Überblick über die Entstehung des menschlichen Gedächtnisses und einen Einstieg in ein neues Feld der Gedächtnis- und Erinnerungsforschung.

These: Schimpansen und Menschen haben 99% des genetischen Codes gemeinsam, sind aber zu 100% verschieden. Das liegt am autobiographischen Gedächtnis.Bereich I
Das Gedächtnis aus interdisziplinärer Sicht
1 Eine neue Betrachtungsweise des Gedächtnisses
2 Konvergenzzonen zwischen den Disziplinen
Box 2.1 Wahre und falsche Erinnerungen
3 Warum Tiere kein autobiographisches Gedächtnis haben
Box 3.1 Was das Gehirn des Menschen von dem anderer Primaten unterscheidet
Box 3.2 Evolution und Gehirn - Zusammenhänge zwischen Körpergewicht und Hirnvolumen als Maß intellektueller Reife und Fähigkeiten.
Bereich II
Die Entwicklung des autobiographischen Gedächtnisses auf Hirnebene
4 Gedächtnis und andere kognitive und emotive Funktionen entwickeln sich interdependent
Die Funktionen des Stirnhirns
Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit
Exekutive Funktionen
Motivation und Emotion - das limbische System
Box 4.1 Die Urbach-Wiethe-Krankheit als Beispiel für die Bedeutung der Amygdala für Affekt
Box 4.2 Der Hippocampus - alter Cortex, der phylogenetisch eine Entwicklung von der räumlichen zur zeitlichen Analyse von Reizen durchmachte
Wissen um die Welt - Bewußtsein
Was ist Gedächtnis?
Box 4.3 Sinnessysteme - Geruch als ein besonderes Sinnessystem
Box 4.4 Formen von Lernen
Welche Formen von Gedächtnis gibt es?
Welche Bereiche im Gehirn haben mit der Verarbeitung von Information zu tun?
Die Entwicklung des Gehirns
Box 4.5 Myelinisierung, Synaptogenese und Pruning als Mechanismen der neuronal-funktionellen Ausformung
Verlauf der Entwicklung des Nervensystems - Phylogenese und Ontogenese
Box 4.6 Plastizität: Umweltabhängige Modifikation neuronaler Reifungsprozesse
Sprachentwicklung und Sprachlokalisation
Entwicklung der Sprachareale
Reifeprozesse auf Hirnebene als Voraussetzung für die Bildung und Festigung von Gedächtnis
Priming versus Bewußtsein: Wie beeinflußbar sind wir?
Bereich III
Das autobiographische Gedächtnis: eine lebenslange Entwicklungsaufgabe
5 Entwicklung von Lernen und Gedächtnis pränatal und während der ersten Lebensmonate
Pränatale und transnatale Gedächtnisentwicklung - früheste Formen des Lernens
Box 5.1 Hirnstrukturen für unbewußtes Lernen - Basalganglien und unimodale Hirnrinde
Das Gedächtnis in den ersten Lebensmonaten
Das prozedurale Gedächtnis
Die Priming-Form des Gedächtnisses
Das perzeptuelle Gedächtnis
Das Arbeitsgedächtnis
Box 5.2 Hirnstrukturen, die für das Arbeitsgedächtnis wichtig sind - der dorsolaterale präfrontale Cortex und assoziierte Strukturen
Entwicklung von Wissenssystem und Vorstufen von episodischem Gedächtnis
6 Der erste Quantensprung der Gedächtnisentwicklung: Die Neun-Monats-Revolution
Die Sozialisierung von Gefühlen
Box 6.1 Primäre und sekundäre Emotionen
Soziale Interaktion und neuronale Entwicklung
Box 6.2 Chunking
7 Der zweite Quantensprung der Gedächtnisentwicklung: Sprache
Protospracherwerb
Protokonversationen
Spracherwerb
Memory talk
Theory of Mind - Psychologisches Verstehen
Box 7.1 Hirnstrukturen, die für Psychologisches Verstehen/Theory of Mind wichtig sind - der orbitofrontale Cortex und die Hirnrinde in seinem Umfeld
8 Eine Exploration zum autobiographischen Gedächtnis bei kleinen
Kindern
Selbsterkennen
Erinnerung an ein Ereignis
Örtlicher Kontext eines Ereignisses
Zeitliche Einordnung eines Ereignisses
9 Das autobiographische Gedächtnis: ein Wandlungskontinuum
10 Das Alter des Erinnerns - Einige Ergebnisse unseres interdisziplinären Forschungsprojektes »Erinnerung und Gedächtnis«
11 Eine formative Theorie der Gedächtnisentwicklung
Box 11.1 Das episodische Gedächtnis in der Definition von Tulving
12 Gedächtnis im Alter
Arbeitsgedächtnis, exekutive Funktionen und Langzeitgedächtnis Defizite in anderen kognitiven und emotiven Funktionsbereichen
Benigne Altersvergeßlichkeit, leichte kognitive Beeinträchtigung, Demenz
13 Das autobiographische Gedächtnis: ein biokulturelles Relais zwischen Individuum und Umwelt
Literatur
Danksagung