Beschreibung
Der Begriff des Herzdenkens wird heutzutage oft verwendet,meist im Zusammenhang mit einer Gegenposition zum intellektuellen Denken. Bei Rudolf Steiner findet sich dieser Begriff explizit nur an einer Stelle. Die Herausgeberin ist seiner Verwendung und den dahinter stehenden Überlegungen nachgegangen und zeigt in einer Zusammenschau weiterer Texte, dass es dabei um Übungen zur Erlangung der Inspiration geht. In sieben Kapiteln werden verschiedene Übungsreihen vornehmlich aus Vorträgen Rudolf Steiners vorgestellt. Es sind zwei Grundgesten, die diese Übungen verbinden. Die erste ist die Geste des Verzichts, die in verschiedenen Anleitungen vom Auslöschen der in der Meditation erzeugten Bilder über das innere Schweigen bis hin zum bewussten Wegschaffen der sinnlichen Anschauung reicht. Die zweite ist die Geste der Ausbildung neuer Gefühle gegenüber Naturphänomenen und geisteswissenschaftlichen Schilderungen. Mit ihrer Hilfe kann man über die Entwicklung des Fühlens zu einem neuen Denken gelangen, das dem Wesen des zu Erkennenden und seiner geistigen Wirklichkeit entspricht.
über die Autoren
Rudolf Steiner
Geboren wurde Rudolf Steiner am 25. oder 27. Februar 1861 in Kraljevec im nördlichen Kroatien (früher zu Österreich gehörend) gegen die ungarische Grenze zu, doch seine Kindheit verbrachte er im Burgenland südlich von Wien. Er studierte dann an der Technischen Hochschule in Wien Mathematik, Physik, Chemie und Biologie, daneben beschäftigte er sich mit Goethe und trieb philosophische Studien. Im Jahre 1882 wird er Herausgeber der naturwissenschaftlichen Schriften Goethes in Kürschners «Deutscher National-literatur». Daneben wirkte er als Hauslehrer, wobei er auch heilpädagogische Tätigkeiten entfalten mußte. Ab 1890 wird er ständiger Mitarbeiter am Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar und gibt in dieser Funktion die naturwissenschaftlichen Schriften in der großen Sophien-Ausgabe heraus. Er promovierte in Rostock zum Doktor der Philosophie. Von 1899 bis 1904 war er Lehrer an der Arbeiter-Bildungsschule in Berlin. 1902 tritt er in die Theosophische Gesellschaft ein, mit deren Mitgliedern er schon in Wien Kontakte hatte. Er wurde Generalsekretär der deutschen Sektion dieser Gesellschaft. Im Rahmen dieser Gesellschaft findet eine ausgedehnte Vortragstätigkeit in ganz Europa statt. 1910 führte er in München sein erstes Mysterien-Drama auf – dramatisierte seelische und geistige Vorgänge.
Nachdem die ganze deutsche Sektion mit Rudolf Steiner von der Theosophischen Gesellschaft wegen unüberwindlichen Differenzen in der Auffassung des Christus ausgeschlossen wurde, fand die Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft (1912/13) statt. Ebenfalls im Jahre 1913 wurde der Grundstein zum Goetheanum in Dornach bei Basel gelegt, als ein spiritueller Bau in völlig neuen Bauformen. 1919 wurde von dem Leiter der Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria eine Schule in Stuttgart gegründet. Aus dem Seminarkursus für die künftigen Lehrer dieser Schule ist dann die ganze Waldorf-Pädagogik entstanden. Durch die Bewegung für die Dreigliederung des sozialen Organismus versuchte er auf die chaotischen sozialen Verhältnisse der Nachkriegszeit gestaltend einzuwirken. 1920 wurde der erste Kurs für Ärzte und Medizinstudenten abgehalten. Beginn der Faust-Aufführungen. Infolge Brandstiftung brannte das Goetheanum zu Silvester des Jahres 1922 ab. Ein Modell der Aussenansicht eines neuen Goetheanums in Sichtbeton entstand 1924, dessen Rohbau dann im Jahre 1928 vollendet war. Im Jahre 1924 fand der landwirtschaftliche Kurs in Koberwitz statt.
Im Herbst des Jahres 1924 erkrankte er schwer und starb am 30. März 1925.
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