Beschreibung
Flutkatastrophen in Kambodscha, zerbombte Städte in Pakistan, politische Umstrukturierungen ganzer Länder: »Bildkomplexe« humanitärer und ökologischer Umwälzungen dokumentieren die Welt als Abfolge von Katastrophen. Eyal und Ines Weizman lesen die Geschichte des Vorher-Nachher-Bildes von der Photographie des 19. Jahrhunderts bis zu zeitgenössischen Satellitenbildern und entdecken in ihnen jene Lücke, in der sich nicht nur das verheerende Ereignis verbirgt: Es sind die Menschen selbst, die aus den Bildern zu verschwinden drohen, wenn Zeugenaussagen mehr und mehr von Analysen materieller oder digitaler Beweise wie Satellitenbildern oder 3D-Modellen verdrängt werden. Es scheint als sei die humanitäre Arbeit paradoxerweise gerade bezüglich der Rekonstruktion von Kriegsverbrechen, bei denen doch Menschen, deren Schicksale und Rechte im Zentrum stehen müssten, in eine post-humane Phase eingetreten. Wer aber entscheidet über die Darstellung dieser Ereignisse, bestimmt die Pixelanzahl unserer Bildwelten, herrscht über Zirkulation oder Zensur von Bildern, wenn Technologien der Überwachung und Zerstörung mit den forensischen Werkzeugen in eins fallen?
7 - 52 Vorher & Nachher (Ines Weizman, Eyal Weizman)53 - 108 'In der Lücke zwischen den Bildern' (Marie Glassl, Ines Weizman, Eyal Weizman)
7 - 52 Vorher & Nachher (Ines Weizman, Eyal Weizman)53 - 108 'In der Lücke zwischen den Bildern' (Marie Glassl, Ines Weizman, Eyal Weizman)
über die Autoren
Eyal Weizman
Eyal Weizman ist Architekt und Direktor der Forschungsgruppe »Forensic Architecture« am Goldsmiths College (Universität London), die 2024 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Zuvor war er Professor für Architektur in Wien. Er arbeitet mit verschiedenen Menschenrechtsgruppen in Israel-Palästina zusammen. Er veröffentlichte A Civilian Occupation sowie die Serie Territories. Weizman ist freier Redakteur für das Cabinet-Magazin und erhielt 2007 den »James Stirling Memorial Lecture Prize«.
Ines Weizman
Ines Weizman geboren in Leipzig, Deutschland, ist Leiterin des PhD-Programms der School of Architecture, Royal College of Art in London. Seit 2022 ist sie Professorin für Architekturtheorie und Design an der Akademie der bildenden Künste am Institut für Kunst und Architektur in Wien und Gründungsdirektorin des Centre for Documentary Architecture (CDA), einem interdisziplinären Forschungskollektiv von Architekturhistorikern, Filmemachern und digitalen Technologen. Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen gehören Dust&Data: Traces of the Bauhaus across 100 Years (2019) und Documentary Architecture/ Dissidence through Architecture (2020). 2023 beauftragte sie die Arbeiten des litauischen Pavillons der Architekturbiennale Venedig, wo sie ebenfalls eine Installation zu Joséphine Baker und der modernen Architektur in der kolonisierten arabischen Welt präsentierte. Ihr aktuelles Buch Joséphine Baker across the Colonial Modern erscheint 2024.